MyanmarMalaysiaTempel und Tiefenrausch

Der gösste Inselzoo der Welt

17.02.2010 |

Inselzoo

Tioman Island nennt sich das palmengesäumte Korallenatoll, auf dem ich mich gerade aufhalte. Ein kleines Dschungelflugzeug brachte mich auf dieses verträumte Eiland. Gar nicht so schlecht zu erreichen: Flieger von Frankfurt über Dubai nach Kuala Lumpur nehmen, einen netten und ehrlichen indischen Taxifahrer am Flughafen finden,sich die Bilder seiner Frau und 14 Kinder ansehen, umsetzen zum Tropenairport, die erste Propellermaschine rechts besteigen, Augen schließen, die Luft bei der ruppigen Landung in einer Linkskurve einhalten, Taxiboot zum ABC Beach nehmen und schon ist man da.

Ich bezog standesgemäß ein Hüttchen mir Meerblick bei einer verschlafenen malayischen Familie und staunte nicht recht, als man mir einen Broschüre mit bunten Zeichnungen zum Ankreuzen von tropischen Wildtieren gab. Wildlifespotting nennt sich der hiesige Inselsport. Tioman Island ist nämlich nicht nur ein paradiesische Fleckchen mit traumhaften Tauchgründen, sondern auch der grösste Inselzoo Südostasiens.

Meine Wildtierentdeckung begann mit der großen Kakerlake Elsa, die mich in meiner Hütte begrüßte. Da sie nicht auf dem Kärtchen vermerkt was, machte ich kurzen Prozess mit ihr und erschlug sie mit meiner Tropensandale. Muss ja alles vorschriftsmäßig abgehakt werden, und was nicht auf meinem Wildtierkärtchen geführt ist, hat in meiner Hütte erst recht nichts zu suchen.

Abends auf dem ersten Weg zur Dorfbar, stieß ich mit zwei zankenden Flughunden zusammen. Sie prügelten sich über mir in einer Palme um den besten Aussichtsplatz und stürzen vor mir zu Boden. Ich überlegte kurz ob ich wieder die Tropensandale zu meiner Verteidung zücken sollte, doch stattdessen zückte ich mein Kärtchen und fand sie dort gelistet. Flying Fox: Haken gesetzt, 1 Punkt gesammelt.

Den nächsten Morgen begann ich Unterwasser. Flauschige 29 Grad Wassertemperatur bei 18m Tiefe. Turtle Point nannte sich dieser Tauchspot, und der Name hielt was er verspricht. Ich traf auf 4 Schildkröten, die wohl auf das Zooprogramm dressiert wurden, weil sich mich bis auf wenige Zentimeter an sie heran tauchen ließen. Ich taufte die mir liebste Schildkröte Schnuppe in der Hoffnung sie bald wieder zu treffen. Big Turtle: Haken gesetzt, 2 Punkte gesammelt.

Der nächste Tauchspot nannte sich Sharks Reef und mir wurde ein wenig mulmig, sah der gezeichnete Hai auf meinem Kärtchen doch recht groß und bissig aus. "Don't worry, they only eat if they are hungry" beruhigte mich meine Divemaster und grinste mich dabei an. Ich fragte mich noch, woher wohl die große Narbe an seinem linken Bein stammte, bevor ich mich in die Tiefe hinabließ. Auf 22m trafen wir dann auf eine Riffhaifamilie. Mutter, Vater und 2 Söhne. Auch sie wurden wohl dressiert, denn sie wagten sich auch recht nahe an mich heran, ein wenig zu Nahe für meine Begriffe, einen Hai kann man unter Wasser ja nicht so einfach wieder ausladen. Ich erinnerte mich an meine Tauchregeln, bei einer Haiattacke. "Quckly punch the sharks nose and hide behind your dive buddy." heißt die gängige Überlebensstrategie. Zum Glück musste ich sie nicht anwenden und konnte den Hai von meiner Karte streichen. Big Fucking Shark: Haken gesetzt, 3 Punke gesammelt.

Den Abend verbrachte ich in einer Bar mit kubanischem Rum und strickte mit anderen Tauchern Tauchergarn. So ein Abend verläuft in der Regel feuchtfröhlich, weiß man doch, dass man sich notfalls auch einfach hinter die Bar in den Sand legen kann, um seinen Rausch aus zu schlafen. Nach viel zu vielen Cuba Libres, stolperte ich an den Strand um Sternschnuppen zu suchen, sah außer dicken Krebsen zu meinen Füssen, aber nur die Milchstrasse über mir. Ich drehte mich um, und sah einen langen Schatten über den Strand huschen. Was konnte das bloß sein? Mein Trinkkumpane aus der Bar oder ein etwa eine weitere exotische Inselüberraschung? Ich schlich näher an den Schatten heran und traf auf einen riesigen Leguan, mindestens 1 Meter lang, der mich beim Näherkommen anfauchte. Diese Viecher sind leider giftig. Sie vergiften ihre Beute mir einem Biss und folgen ihrem Opfer dann über Tage, bis diese der Vergiftung erliegen. Es sind nämlich Aasfresser, also warten die geduldig auf den Tot Ihrer Beute bevor sie sie verspeisen. Sie standen auch auf meinem Kärtchen: Poisoness Lizzard: Haken gesetzt, 3 Punkte.

Die nächsten Tage verbrachte ich ohne unangekündigten Wildtierbesuch. Gerade eben schlummerte ich in meiner Hütte in Vorfreude auf den Bananenkuchen, der auf meiner Veranda auf mich wartete. Doch wer knisterte da an meiner Bananekuchentüte? Ich riss meine Bungalowtür auf und blickte in ein paar verdutze Affenaugen. Ich hatte ihn gerade beim Stehlen erwischt, diesen Schlingel. Das war mein Bananenkuchen, und zwar ein sehr Köstlicher. Ich sah, dass der Affe ihn nicht kampflos aufgeben wollte, also überlegte ich, was zu tun sei. Der Affe fauchte mich selbstbewust an. Ich sah mein weißes Handtuch an der Hüttenwand hängen und mir fiel der Rat aus "Per Anhalter zur Galaxis" ein, dass ein einfaches Handtuch hervorragend zu Verteidigung taugt, wenn es nur richtig benutzt wird. Also zögerte ich nicht lange und zog dem Äffchen mit dem Handtuch eins über. Es fauchte, wurde wild und überlegte wohl kurz mich anzuspringen. Doch der Blick auf das weiße Handtuch und die Enschlossenheit meinen Kuchen mit jeglichen Einsatz zu vertigen überzeugten ihn wolh. Der Scheisser fauchte noch ein letztes Mal und trollte sich dann ohne Snack davon. Martin 1, Affe 0, Banankuchen gerettet. Gready Monkey, Haken gesetzt. 4 Punkte.

Morgen muss ich dieses Eiland leider wieder verlassen oder vielleicht auch zum Glück. Es fehlen nämlich noch einige Tierbegegnungen, die auf meinem Kärtchen angepriesen werden. U.a. ist dort noch ein Bild einer grossen, haarigen Spinne, eins einer riesigen Schlange und etwas das wie ein feuerspeiender Drache aussieht mit zwei Köpfen aussieht.

Ganz so neugierig bin ich dann aber doch nicht. Manche Exoten schaue ich mir lieber im Zoo an.

Es gibt 5 Kommentare.
Deine Meinung?

  1. Hi Schatzi,
    irgendwie erinnert mich die Story an Bernhard Grzimek.
    Der aber hat nicht so tief in Glas geschaut wie Du! Natürlich hat ihm das am Ende auch nicht viel geholfen - SCHLIMM!
    Ich freue mich sehr über Deine tollen Geschichten aus der Ferne!
    Big kisses vom Ingeörchen

    sagte Ingelörchen am 17.02.2010 um 19:58 Uhr #

  2. Hallo Martin,

    immer wieder schön Deine Reiseberichte zu lesen und auch vorzulesen.

    Liebe Grüsse

    Michael Stricker

    sagte Michael Stricker am 18.02.2010 um 10:39 Uhr #

  3. Mensch Martin, bist du verrückt?
    Kannst doch nicht so einen Reisebericht verfassen und unser einer sitzt hier... tsssss.
    Bin kurz davor mir nen Flug zu buchen.... kein joke
    Ganz großartiger Bericht und warte sehnsüchtig auf mehr ;)

    Ne wahnsinns Zeit Dir!

    sagte Carola am 19.02.2010 um 15:48 Uhr #

  4. Hallo Martin, dein Bericht ist wieder super gut + lustig ic freue mich schon auf den nächsten vorallem auf die guten Fotoa. 1FC Köln hat gegen Stuttgart 5-1 verloren. Paß auf Dich auf Papa

    sagte papa am 21.02.2010 um 12:41 Uhr #

  5. Mensch Martin! Haust konsequent und jedes Jahr aufs neue in dieselbe Kerbe - während hier das Fernweh am größten ist. Hab Spass und viele Grüße!

    sagte Reik Kirchhof am 21.02.2010 um 16:16 Uhr #

Fragen? Kommentare? Irgendwas...?

*


*

* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

  • «
  •  Bericht 1 von 2 
  • »
02. My hut03. Famous Jet Li Mini Bar04. Sunset Dinner05. Monkey Rock06. Time for a swim07. Jump Fun08. The whitest boy alive09. Diving crew at work10. Another Island11. Divebuddy12. Local soccer stadium13. Sunset Pier14. First Monkey Encounter15. Funniest Dive Master Ever16. Monkey Tree17. Monkey Breakfast18. ABC Beach19. A Night in A Bar20. Sunset View
donmartinberlin
hat nur 20 Bilder geschickt
donmartinberlin
hat nur 20 Bilder geschickt
Userbild
Name
donmartinberlin
Alter
34
Ort
Berlin
Webseite
---

Alle Reisen von donmartinberlin

Tempel und Tiefenrausch

Von Malaysia nach Burma möchte ich reisen.
Entdecken möchte ich neue Unterwasserwelten und dann eine Zeitreise rückwärts in eines der letzten unverfälschten Länder dieses Planeten unternehmen.