

Asien Triangel Tour
Meine verschollenen Expeditionstagebücher
22.02.2008 |
Liebe Freunde des Reisens,
Diesmal schreibe ich diese Zeilen aus einem Starbucks Cafe in China, in das ich mich ganz hinten links in die Ecke verkrochen habe um den spuckenden Chinesen zu entgehen. Ich muss zugeben, dass ich Starbucks in China mag (ja schlagt mich), weil es immer wieder ein kurzer Ausflug in heimischen, bekannte Verhältnisse ist und er Kaffee tatsächlich schmeckt.
Es hat gut und gerne 1 Woche gedauert bis ich nur annähernd die Eindrücke der letzten Wochen verarbeiten konnte, Wenn ich kurz gedanklich zurückblicke, dann sehe ich paradiesische Strände, holprige Jeepneys, Bootsexpeditionen, monströse Unterwasserwarcks, winzige Propellerflugzeuge, einsame Inseln, quirlige Millionenstädte, verstopfte Strassen, wuselnde Menschenmengen, irrsinnige Reklameschilder und jetzt eben spuckende Chinesen.
Aber ich versuche das einfach mal in einer Art Expeditionstagebuch für und mit euch zu ordnen:
- Tao Expeditions, Palawan, Philippinen (www.taophilippines.com)
Wir befinden uns auf einem rostigen Pier und besteigen das Kommandoboot der Tao Expeditions Tour. Eddie und Jack, die beiden Paradiescouts begrüssen uns mit einem echten Bohnenkaffee, sodass schnell Freundschaft geschlossen wird. Auf dem grossen Tisch, der in den nächsten 3 Tagen auch unsere Kommandozentrale sein wird, wird einen Karte der Inselwelt Palawans ausgebreitet und die Route beschlossen. Wir entscheiden uns an diesem Tag 4 Inseln anzufahren, um ein bisschen zu schnorcheln.
Wir sitzen an Deck des Bootes und an uns ziehen Inseln vorbei, die so schön sind, dass man meinen möchte ein Maler hätte sie erfunden und der weltbeste Inselarchitekt danach gebaut. Alle Inseln sind unbewohnt. Wir halten und schwimmen zu einer beliebigen Insel um zu schnorcheln oder die Kokuspalmen zu zählen oder einfach um ein paar Krebse über den Strand zu scheuchen.
Die Nacht bricht herein, wir liegen in einem gemütlichen Zelt an Deck des Bootes über uns entfaltet sich ein gigantischer Sternenhimmel. Wir nennen unsere Zelt das Sternenzelt unterm Sternenzelt. Ich bin hundemüde vom Inselentdecken aber kann nicht schlafen, weil es einfach nicht in meinen Kopf will, dass dies wohl der romantischste und schönste Campingplatz der Welt ist. Kurz bevor ich einschlafe, fällt mir ein, dass es auf den Philippinen immer noch sehr viele Piraten sind und wir auf einem kleines Expeditionsboot voller Kameras. Ich träume schlecht und wirr.
Der nächste Morgen beginnt mit Frühstück und einer Livekastration eines Schweines. Unser italienischer Doktor entpuppt sich als Tierarzt und schneidet dem armen Vieh ohne Betäubung die Klöten ab, damit das Fleisch besser schmeckt. Mir ist schlecht. Richtig schlecht wir mir erst nachdem, das blöde Schwein im Anschluss doch tatsächlich die eigenen Hoden verspeist.
Nach 6 weiteren traumhaften Inseln suchen wir einen neuen Nachtschlafplatz. In diesem Moment passieren wir eine Robinson Insel der Luxusklasse und beschließen dort die Nacht zu verbringen. Wir bauen ein Zelt an einem grandiosen Sandstrand auf, beobachten den Sonnenuntergang und betrinken uns mit Cola Rum. Ich bin erschlagen, kann es noch irgendwie besser und schöner kommen?
Der nächste Morgen: Wir schnorcheln in einem unberührten Korallengarten. Hunderte von Fischen um uns herum, Farben überall, wir sehen Boxfische, Scorpionsfische, Schildkröten und zu guter letzt entdeckt Caro eine kleine Tintenfischfamilie, die unbeindruckt trotz mehrerer Beobachter deftigen Unterwassersex treibt.
Mittagessen, Es gibt Hummer, den haben wir von einem Fischer erworben, der eben an uns vorbeifuhr. Praktisch diese Paradiessupermärkte. Der Chefkoch schmeisst dass noch lebende Vieh ins heisse Wasser, ich traure kurz, bevor mir das Wasser im Mund zerläuft.
Der letzte Stop, vor uns liegt eine Insel, die nach den Inseln der letzten Tage nur die Note 2 erziehlen würde (allerdings auf der Paradiesscala) aber das Wasser davor ist von unbeschreiblicher Farbe, das schönste Blau, das ich jeh sah und jeh durchschwamm. Ich frage mich wann der Kopf aufgrund zu vieler Sinnenseindrücke explodiert.
- Taiea Maru Wrack, 35m tief, Coron, Philippienen.
Ich hangele mich ein dicht bewachsenes Ankerseil herab. Die Sicht ist übel und die Strömung stark. Ich folge den gelben Flossen meines Divemasters Thomas. Plötzlich taucht aus dem Nichts ein Oberdeck eines Kriegschiffes auf, ich sehe eine grosse Kanone unter der wir hertauchen. Ich erinnere mich an dir Größe des Kriegschiffes, 160m lang, versenkt von den Amis im 2ten Weltkrieg, nun eine der Attraktionen hier in Coron. Mir ist ein wenig mulmig, ich habe hier zwar viel getaucht aber so tief war ich schon lange nicht mehr und Wracks gab es bisher auch nicht. Der Tiefenmesser zeigt 40m, ich bin angenehm berauscht vom Stickstoff. Thomas verschwindet in einem riesigen, schwarzen Loch in der Seitenwand und deutet mir an im zu folgen. Ich atme tief ein und tauche ein ins schwarze Nichts eine gigantischen Kriegschiffes. Thomas schaltet eine Lampe an und wir befinden uns in einem gigantischen Maschinenraum. Ich bin hin und weg will hier wieder raus aber doch tiefer rein. Ich brauche dringend ein Unterwasservalium. Olaf mein holländischer Buddy hilft mir unverhofft, weil er schon jetzt auf 50 bar ist und wir den Tauchgang beenden müsen. Olaf hängt von nun an am Oktopuss des Divemasters, ich folge den beiden zum Safetystop.
Wrack Nummero 2: Aikinawa, 160m, Frachter, 30m tief. Caro ist nun bei mir. Sie absolviert ihren ersten Tauchgang nach dem Open Water Kurs vor einem Jahr. Aber wir vertrauen Ihr und unserem Divemaster. Es geht erneut hinab auf knapp 30 Meter. Ich lasse das Ankerseil los, und stelle fest, dass ich meinen Gürtel irgendwie verloren habe. Mit grosser Mühe und heftigen Flossenschlägen schaffe ich mich an Thomas zu krallen und ihm mein Problem per Zeichensprache zu schildern. Er reagiert cool , hängt mich an die Schiffsreeling und geht ein paar schwere Steine sammeln, die er mir danach in die Taschen stopft. Ich setze den Tauchgang fort und gehe Caro suchen. Die Sicht ist besser, das Wrack ein riesiger Korallengarten. Zwischen Luken und Seitenwänden tummeln sich Schwärme von Fledermausfischen und Admiralsfischen. Ich behalte Caro im Auge, sie schlägt sich tapfer und bleibt trotz der Aufregung ruhig. Wir biegen um eine Ecke und sehen einen riesigen Boxfisch der uns mit seinen langen Wimpern anklimpert. Wir lachen uns beide unter Wasser halbtot. Blick auf den Tiefenmesser 32m, besser ein bisschen hochtauchen und den Divemaster finden. Thomas taucht wieder mit dem Holländer Huckepack und die Luft teilend taucht er in ein enges, dunkles Loch im Bug des Schiffes. Wir müssen folgen, Caro zögert kurz, ich sehe wir sie all ihren Mut zusammennimmt und in das Loch taucht, ich hinterher. Eine gefühlte Ewigkeit ist es pechschwarz, bis ich eine blauen Aufstieg erkenne, einen Lukenschacht, den wir zum Auftauchen benutzen. Er führt ins endlose blau. Caro lächelt unter Wasser. Wir klettern aufs Tauchboot, fallen uns in die Arme und trinken 2 Bier auf Ex um uns wieder zu beruhigen. Mehr davon bitte!
Es folgen noch 4 weitere Wracks alle bizarr und wundervoll zu gleich. Der Gedanke eine komplette japanische Flotte zu durchtauchen verwirrt mich, ich brauche dringend ein wenig Ruhe und Rum Coke!
- Seeair Propellerflugzeug, irgendwo über Palawan, Philippienen
- Wir sitzen in einer 9sitzigen Schabracke von Flugzeug, wir können dem Piloten beim Steuern zusehen, unter uns die Inselwelt der Philippinen. Ich schaue verträumt aus dem Fenster, höre Sigur Ros. Caro schläft. Wir landen in einem gigantischen Wolkenbruch aus Regen auf einer schlammigen Pistein El Nido. Ich bete dass dieses Flugzeug so robust ist wie es leider nicht aussieht, Caro schläft immer noch. Das Flugzeug klatscht in ein Regenloch und schliddert über die Runway bevor es stoppt. Ein Empfangskomitee spielt Ukolele im Regen. Ein Ochsenkarren zieht das Gepäck aus dem Flugzeug. Wir hüpfen in ein Tricycle und werden klitschnass auf unserer Fahrt ins Dorf. Ich verfluche mich dafür meine Regenjacke nach Hause geschickt zu haben.
- Coco Loco Island, Palawan, Philippienen.
Eine wunderschöne Insel mir grandiosen Hüttchen direkt am Strand, man umrundet die Insel in 10 Min. Wir spannen eine Hängematte zwischen zwei Palmen und ich muss mich entscheiden, welches Buch ich lesen soll, stattdessen entscheide ich mich für einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf.
Es ist Valentinstag auf Coco Loco Island. Die Inselbewohner vollbringen die Meisterleistung dieses kleine Inselparadies in ein gigantisches Kitschuniversum aus Blumen und roten Herzen zu verwandeln. Es gibt ein grosses Büffet am Strand, mit Lagerfeuer und musikalischer Begleitung. Die einzige Cd des Resorts ist das Album der Band die mal Barbie Girl verbrochen hat. Sie wird unablässig und laut in Endlosschleife gespielt. Ich springe auf, um den Stromgenerator der Insel in Brand zu stecken, Caro hält mich zurück, ich soll Verständnis mit den Einwohner haben, meint sie. Ich ersäufe mein akkustisches Leiden in Rum Coke und verfluche die holländischen Dance Floor Produzenten der 90ger Jahre.
Endlich mal ein Tage ohne Hoghlights, doch wir gingen zum Frühstück mal nach rechts aus der Hütte und umrunden die Insel mit dem Uhrzeigersinn.
- Palawan, Manila, Hong Kong, Shenzhen in 24 Stunden
Ein Tag, 3 Städte, 24 Millionen Menschen. Wir starten am Morgen auf Coco Loco Island, eilen zum Flieger nach Manila, verbringen den Nachmittage in einer Shopping Mall und warten auf den Anschluss nach Hong Kong. Dort angekommen beziehen wir unser kaltes, Wohnklo und fallen in einen fiebrigen Schlaf.
Ich verfluche mich erneut dafür in einem Anfall sommerlicher Umnachtung alle warmen Klamotten nach Hause geschickt zu haben. Es ist 15 Grad und es regnet. Arschkalt wenn man nur ein Tshirt trägt. Zum Glück gibt es in Hong Kong mehr Läden als sonst wo auf der Welt also beschliessen wir, mich neu einzukleiden.
Wir suchen seit nunmehr 2 Stunden den richtigen Weg aus dem Strassenblock des Hotels. Heute findet der Hong Kong Marathon statt und unser Strassenblock ist von der Laufstrecke abgeriegelt. Der einzige Ausweg befindet unterirdisch zwischen 3 Schopping Malls und einer Ubahnstation. Es gibt ungefähr 48 unterirdische Ausgänge und keiner führt uns aus dem Wohnblock heraus. Wir folgen schliesslich einfach einem anderen Touristen, in der Hoffnung, dass er das gleiche Ziel hat wie wir. Unser Fluchversuch gelingt und ich kaufe mir den dicksten Wollpulli, den ich finden kann.
- Shenzhen, China
Ich verbinge die Tage mit Intensivstsightseeing. Gestern war ich in einem Park, in dem die Chinesen einfach alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Welt kopiert und hübsch aufgebaut haben. Praktische Idee! Ich passiere den Eifelturm, biege zu den Pyramiden ab und lasse mich schliesslich auf einer Bank vor dem Kölner Dom nieder. Bizarr hier. Am bizarrsten ist aber die Tatsache, dass nicht der Kölner Dom die Attraktion ist, sondern ich davor. Dutzende Chinesen starren mich mit offenen Mündern an und möchten mich photographieren, am liebsten vor allen Sehenswürdigkeiten. Ich überlege ob ich Eintritt nehmen soll, verlasse dann aber irgendwann fluchtartig, über die Gauditreppe den Park und flüchte in einen Starbucks neben dem Colosseum.
Heute Vormittag besuchte ich einen zweiten Vergnügungspark mit riesigen Achterbahnen und anderen halsbrecherichen Attraktionen. Allerdings gab ich nach ein paar Stunden wieder auf. Alle wollen einen photographieren, alle starren einen an. Ich fange an Brittney Spears zu symphatisieren und flüchte ins Hotel. Auf dem Weg dorthin verlaufe ich mich aber im Partyworld, einem gigantischer 5 Sterne Komplex, in dem man sich Zimmerchen samt eigenen Büffet zum Karaokesingen mieten kann. Es ist 2 Uhr nachmittags, an einem Donnerstag, der Laden brechend voll, überall betrunkene, singende Chinesen, die an jeder Ecke Brittney Spears Songs covern.
Ich flüchte in einen Starbucks und schreibe euch diese Zeilen.
Übrigens, nächste Woche geht mein Flieger, ich komme nach Hause und ich freue mich drauf. Ich hoffe euch bald wiederzusehen und brauche dringend ein bisschen Ruhe vom Urlaubmachen.
Allet Jutte
Martin
Es gibt 4 Kommentare.
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- Name
- Martin Zillger
- Alter
- 30
- Ort
- Berlin
- Webseite
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Alle Reisen von Martin Zillger
Asien Triangel Tour
Reisen macht schön! Jedes Jahr versuche ich mich für 2 Monate aus dem Alltagship zu flüchten, sozusagen auf der Suche nach einer inneren Ayuverda Kur. Klappt meistens, tut gut und öfnnet den Horizont. Das beste ist aber immer das Dazwischen. Diese kleinen, genialen Reisealltagsmomente, die ich bannen und teilen möchte. Deswegen bin ich hier!









































Hallo,wir haben wieder voller Spannung Deinen Bericht gelesen.Suuuuuuuuuuuuuperinteressant.Aber ehrlich mal,das mit dem Schwein (mir war den ganzen Tag schlecht)war etwas makaber.Hab mit Deiner Freundin noch eine schöne Zeit,hier in Deutschland wirst du schnell wieder von allem Scheiß eingeholt.......J.
sagte jutta & klaus am 23.02.2008 um 18:51 Uhr #
...es scheint sowas wie eine globale Travellerrealitaet zu geben. Obwohl Ihr dass so ziemlich genau auf der anderen Seite der Welt erlebt habt, kommt mir das alles doch hautnah vertraut vor, das Tauchen, die Inseln, ja sogar das ueberraschende geniessen von westlichen Erungenschaften wie Starbucks... Schreib mal wie es ist, so in der wirklichen Welt da zu Hause und wie man da ohne groessere seelische Schaeden wieder reinkommt...
sagte Nica Chica am 24.02.2008 um 14:29 Uhr #
Travellerealitaet? Wohl war, ich bin auch sehr gespannt wie sich zu Hause sein wieder anfühlt, trotz aller grossartigen Erfahrungen, freue mich darauf wieder. Ich werde dann berichten, wie lange es dauert, bis einen der Alltag oberflächlich wieder einholt. Zum Glück halten die tollen Erlebnisse ewig und beim Gedanken daran fängt man wieder an zu Grinsen.
sagte Don Martin am 25.02.2008 um 10:40 Uhr #
Was kostet 13?
sagte Michael Stricker am 25.02.2008 um 11:13 Uhr #