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Philippinische Elefantenrennen

27.12.2007 |

Dazwischen….

Zwischen traumhaften Straenden und duftenden Marktplaetzten liegt leider auch immer ein Dazwischen, sozusagen die harte Realitaet des Reisens, die einem auch an den exotischsten Zielen einholt. Jetzt gerade sitze ich z.B. einem Internetcafe der groessten Shopping Mall von Cebu, weil ich erst morgen ein Boot auf die naechste Insel nehmen kann und vertreibe mir den Tag. Draussen ist es zu heiss um irgendetwas zu unternehmen, hier drinnen kann man wenigstens dem quirligen Treiben der Einwohner Tribut zollen.

Sehr eintoenig koennen auch 4 stuendige Busfahrten in diesen lustigen gelben, ollen Lokalbussen sein, in die sich meist bei 35 Grad geschaetzte 100 Menschen samt Schweinen und Haartrockner zwaengen. Ein bisschen Unterhaltung verspricht ein Platz in der ersten Reihe mit Blick auf die Strasse und dem passenden Soundtrack aus dem Ipod. Ich entschied mich fuer flockige Beats von James Holden und los ging die Sause. Im doerflichen Leben ist der Bus der Koenig der Strasse und der Busfahrer geniesst und lebt diesen natuerlichen Respekt. Auch geniesst der Reisebus unangefochtenden Vorfahrt, selbst Polizisten und Fahrzeuge akzeptieren diesen Umstand. der Busfahrer verteidigt sein Revier mit einer infernalischen (wahrscheinlich frisierten) Hupe, die alle sich vor dem Bus befindenden Menschen, Fahrzeugen und Huehner warnt, sich schnellst moeglich in Sicherheit zu bringen. Gebremst wird naemlich nicht, sondern es wird geschickt darauf kalkuliert, das sich die alte Dame noch schnell mit einer kuehnen Hechtrolle in Sicherheit bringen kann, bevor sie an der Frontscheibe klebt (die uebrigens verdaechtigt viele Spruenge aufweist). Die mitreiseden Einheimheimischen, die diese Szenen auch beobachten fiebern immer eifrig mit und schreien biswelen lautstark vor Aufregung durch den Bus. In Kombination mit der passenden Musik ergibt sich daraus ein durchaus unterhaltames Tagesspektakel zum Preis von ungefaehr 75 Cent.

Im Verlauf der Fahrt, durfte ich ebenfalls ein taktisch sehr konzentriert und geschickt gefuehrtes Elefantenrennen zwischen zweier befeindeter Busunternehmen beobachten. Keiner der Busfahrer wollte sich natuerlich die Bloesse geben als Zweiter den Zielort zu erreichen und da ueberholen auf der engen Strecke unmoeglich war, mussten die Busfahrer geschickt mit Ihren Fahrgaesten pokern. Da die Fahrgaeste naemlich (theoretisch) jederzeit auf der Strecke Ein- und Austeigen duerfen, muss der Bus dazu anhalten, sodass er vom anderen Busse uberholt werden kann. Nun liegt der zweite Bus natuerlich vorne, allerding nur solange bis wieder ein Passagier austeigen moechte oder noch fataler eine bengalische Grossfamile mit Kuechenspuele auf der Strasse den Bus heranwinkt. Sowas kostet dann sehr wertvolle Zeit.

Das Rennen blieb spannend und ungefaehr ausgeglichen bis kurz vor Ende der Strecke, da entschloss sich naemlich der fuehrende Bus einfach nicht mehr anzuhalten, um die Fuehrungspposition nicht zu verlieren. Der Lenker meines gelben Flitzers nahm die Verfolgung auf in der Hoffnung, noch irgendwo im dichten Strassenverkehr ein gewagtes Uberholmanoever ansetzen zu koennen, was allerdings nicht moeglich war. So wurden wir nur Zweiter, der Busfahrer verliess geknickt sein Cockpit und die Haelfte der Fahrgaeste musste nun selber sehen, wie sie wieder 30km zurueck kommen koenne, weil sie naemlich auch nicht aussteigen durften.

Achja zwischen dem dazwischen war ich uebrigens noch auf einer schoenen, einsamen Insel und habe dort Weihnachten verbracht. Das war auch sehr entspannend und vor allem lustig zu betrachten, wie ein dicker, besoffener, asiatischer Weihnachtsmann im Dorf Geschenke in Form von Bier verteilte und zwar groesstenteils an sich selbst. Auch war es uber die Feiertage ausserst gefaehrlich auf leeren Magen morgens Broetchen zu kaufen, weil man quasi an jeder Ecke zu entweder Gin mit Lime oder Bier eingeladen wurde. So vervrachte ich die meiste Zeit doesend am Strand. Ich habe mich dort ansatzweise gut erholt, gedenke das aber ab morgen auf einer weiteren Insel fortzufuehren, dann ueber Sylvester.

Allet Jute

Martin

Es gibt 2 Kommentare.
Deine Meinung?

  1. Martin,

    großartige Berichte!
    Ingo und ich sind der Meinung, dass Du ebenfalls ein Standbein auf der kreativen Seite unserer Branche haben solltest. Muß ja nicht gleich ein Mr. Nobody Drehbuch sein, aber Stopping Power (nicht mit Jaguar, aber Bus) kriegst Du allemal hin.

    Ich habe mich rar gemacht viel geschlafen und nach Flügen geschaut.
    Ich denke, dass ich den Februar, wenn nicht ein tolles Angebot kommt in Eilat verbringen werde. Die Flüge sind auch noch kurzfristig preiswert.

    Mr. Nobody ist abgedreht und es folgten keine weiteren Zwischenfälle.
    Der letzte Drehtag war angenehm. Durch Sonne, Reichstag und Drehschluß um 14.30 Uhr fanden die Dreharbeiten einen schönen Ausklang.
    Ich stand die ganze Zeit mit dicken Genehmigungsordner am Set und petit Renaud konnte nix dagegen machen.

    Die Party war ok, das Buffet hervorragend. Du hast gefehlt, aber dadurch dass sich alle weggeschossen haben, war Deine Abwesenheit nur anfangs merkbar.

    Es wurde auch ein Makingof gezeigt, das allerdings nur französische Darstelle hatte. Naja, Sedan haben die wohl immer noch nicht verkraftet.

    Freue mich auf Deinen nächsten Bericht.

    Tot straks

    Hendrik


    P.S. Sehe mir kommende Woche mit Hakan unser Büro am Hackeschen Markt an. Werde Dir Bilder schicken.

    sagte Hendrik am 28.12.2007 um 17:19 Uhr #

  2. Hey Martin,
    wo bleibt denn der neue Bericht aus Asien?
    Ich bin schon ganz gespannt!
    Big Kiss,
    Inge

    sagte Ingo Schlösser am 01.01.2008 um 17:52 Uhr #

Fragen? Kommentare? Irgendwas...?

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

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Martin Zillger
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30
Ort
Berlin
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Alle Reisen von Martin Zillger

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Reisen macht schön! Jedes Jahr versuche ich mich für 2 Monate aus dem Alltagship zu flüchten, sozusagen auf der Suche nach einer inneren Ayuverda Kur. Klappt meistens, tut gut und öfnnet den Horizont. Das beste ist aber immer das Dazwischen. Diese kleinen, genialen Reisealltagsmomente, die ich bannen und teilen möchte. Deswegen bin ich hier!