FrankreichMarseille kulinarisch

Wilder Thymian

15.10.2007 |

Allauch – Krippewelle

Also: Allauch ist eine kleine Stadt oder eingroßes Dorf auf jeden Fall aber eine Ansammlung amüsanter Nichtigkeiten amRande Marseilles, gut mit Metro und Bus zu erreichen. Hübsch und hoch gelegenbietet es vor allem einen netten Ausblick auf Marseille, aber das ist längstnicht alles, weiß unsere, mit stolzgeschwelter Brust voranschreitende, Stadtführerin für ihr Kaffzu werben. Da wären nämlich noch die 5 uralten Windmühlen. Die leider schonlange nicht mehr stehen, aber eine wurde rekonstruiert und wer durchs Fensterleschaut kann einen lebensgroßen Schaumstoff-Müller mit seiner Frau bestaunen.Ahhh! Ohhhh! Gähn. Ich bin natürlich auch schwer zu beeindrucken, da muss diegute Frau schon mit mehr aufwarten. Hat sie auch. Ich habe sie nicht malfotografiert, so schrecklich finde ich persönlich die ansonsten überausbeliebten Krippenfiguren, die uns hernach als Inbegriff der hier üblichenGanzjahresweihnachtskultur präsentiert wurd.. Nicht wie unsere kleinen,harmlosen Holzfigürchen, die die üblichen heiligen Verdächtigen darstellen.Sondern 40 cm große Figuren mit merkwürdigen Gesichtern, in ortsüblichenTrachten (irgendwo hier muss auch das Paisleymuster sein Ursprung haben, vielenDank auch dafür.), nicht nur Maria, Josef und Konsorten, nein: alleBerufssparten werden durchexerziert, alle Tiere nachgebaut, alle Instrumentebekommen ihren Spieler, alle erdenklichen Alltagsituationen werden in Posegebracht. Ich war fassungslos vor soviel andersartigem Geschmack. Ein bisschen,wie in einem Kuckucksuhrladen im Schwarzwald. Sehr speziell. Aber hey, Allauchhat noch zwei mächtige Trümpfe in seinem Trachtenärmel: die Sage von derGänsehirtin und die Kirche aufm Berg. Die Sage soll an dieser Stelle nichtnacherzählt werden, nur soviel: es gibt lauter kleine Altäre, in die jedeFreiwillige aus etwas Entfernung 3 Steinchen werfen darf. Je nachdem derwievielte Stein darin liegen bleibt, zeigt es an, ob man in 1, 2 oder 3 Jahrenheiraten wird. Und ja: ich habe auch geworfen. Und nein: keine einziger Steinblieb im Altärchen liegen. Kein einziger von rund dreißig. Kann mir aber egal sein, denn, wenn ichdiesen oder einen anderen wirklich dringenden Wunsch hätte, könnte ich ihn in Formeines Bildes als Fürbitte der kleinen Kirche in Allauch übertragen. Gerngenommen sind Bilder, in denen der um Heilung bittende im Bett liegenddargestellt wird, oder es wird ein verhinderter Mordanschlag dargestellt oderBlitzeinschläge, die überlebt wurden oder oder oder: das üblich menschlicheBitten und Danksagungen, wenn’s einem an den Kragen geht und alles andere nichtmehr hilft. Wirklich originell und von tiefem Glauben zeugend wäre doch einBild von einer Lottoziehung, einer Tabelle mit Pauli in der 1. Liga oder eineweiße Taube. Aber nix da. Einen guten Grund gibt es nun doch, nocheinmal wieder zu kommen: als Partnerstadt irgendeines süddeutschen Städtchensgibt es den hier weit und breit einzigen Weihnachtsmarkt mit Glühwein und allemdrum und dran. Dann können wir auch die auf 150 Quadratmetern aufgebaute,lasershowintegrierte Krippenlandschaft bestaunen, rät unsere Stadtführerin.Gerne. Kein Problem, nach dem 10. Glühwein.

Typisch Provence

Die Franzosen treiben wirklich unglaublichviel Sport. Müssen sie auch, bei all dem, was und wie viel sie essen! Essen gehenist hier leider ziemlich teuer, da beschwere sich bitte niemand mehr inHamburg über die Preise. Eine Plat du Jour unter 12,- Euro zu ergatternbedeutet auch oft einen deutlichen Qualitätsverlust hinzunehmen. Und wer abendsEssen geht, zum stinknormalen Italiener oder zum Franzosen, egal, braucht kaumauf einnoch so einfaches Gericht (Pasta, Pizza, Hühnchen, Nummer 318extrascharf) unter 18,- Euro zu hoffen und die Preisspirale steigt Sprunghaftauf über 40,- Euro für einen Hauptgang, wenn man nur etwas besser Essen gehenmöchte. Da waren wir doch sehr dankbar für die ein oder andere Degustation inder örtlichen Hotelfachschule oder direkt beim Winzer in Cassis. Jetzt alsoeine kleine Übersicht einiger regionalen Spezialitäten, an denen man nichtvorbei kommt. Quasi ein Spaziergang über irgendeinen der hier täglich stattfindendenMärkte:

Lavendel Wächst hier wie bei uns im Norden der Raps undfindet sich vor allem im Honig wieder.

Oliventapenade Paste aus Oliven, Anchovis und Knoblauch.

Ail Knoblauch-ist hier quasi zu Hause und dasschmeckt man auch, fast egal, was man isst!

Calinous Süßes aus d`Aix en Provence, in Form vonkleinen Schiffchen: unten Oblate, dann eine dicke Schicht Melonenconfit undoben drauf eine Art Zuckergussbaiser. Schmeckt am besten frisch aus derPatisserie.

Beaumesi de Ivenise Wird wahrscheinlich völlig anders geschrieben,aber egal: Muskatwein, der als Apéritif oder zum Dessert getrunken wird. Wirdoft automatisch zum ersten Gang gereicht. Klasse zu Foie Gras.

Bouillabaisse Kommt von „Starke Flamme, kleine Flamme“ undmeint die – hier in dafür bekannten Restaurants wie dem „Ches FanFan“ für ca.45 E verkaufte – erst aufgekochte, dann 20 Minuten gezogene, Fischsuppe. Esgibt ungefähr 50 Originalrezepte…!

Nougat Besteht ursprünglich aus Eiweiß, Zucker,Mandelmehl und Orangenaroma.

Navette ...bedeutet „Schiff“ und dies erklärt dieovale Form dieses kleinen, trockenen, harten Gebäcks mit Orangenaroma. Ichpersönlich verstehe den Hype darum nicht, vielleicht liegt`s an der Geschichtevon den drei vor 300 Jahren am Strand aufgelesenen schiffbrüchigenFrauen, denen der Bäcker schnell dieses Gebäck gewidmet hat, um den gröbstenHunger zu stillen. Na klar.

Cassis Im Nachbartal Marseilles liegt die wirklichbesuchenswerte Hafenstadt Cassis mit seinem Mikroklima. Aus den hier wachsendenReben wird hauptsächlich Rosé und Weißwein hergestellt, beides „sec“, alsotrocken. Und beides sehr lecker.

Pastis Klar, Pernod kennt bei uns auch jeder. Aber,der ist ja chemisch hergestellt, pfui (stört unmögliche Menschen wie michnatürlich gar nicht, weil ich das Zeug sowieso mit Coke trinke, da bin ich ganzeinfach gestrickt. Darf man hier aber NIE so bestellen). Wer will kann, zumBeispiel in einem kleinen Laden am Vieux Port in Marseille, sich durch 200verschiedene Anisschnäpse probieren, die mitunter auch auf natürlichem Wegehergestellt werden.

Banon Schafsfrischkäse, dessen Aroma durch ein umihn gewickeltes Kastanienblatt bewahrt wird.

Austern Werden an den 'Coquillage'-Staenden an der Strasse verkauft, zusammen mit all den anderen, meist hier gefangenen Meeresfruechten. Da nimmt man sich gerne mal eben ein Dutzend mit nach Hause, ist ganz normal und gar nicht exklusiv, wie bei uns.

Oliven Grün (jung). Schwarz (reif), in allenmöglichen Verarbeitungsformen. Tolle Stände auf den Märkten.

Bandol Zelebrierter und so ziemlich einziger Rotweindieser Region.

Ratatouille Kleine Gemüsewürfel der typischprovencialischen Arten: Tomaten, Zwiebeln, Auberginen, Kürbis, Pfeffer usw.Alles einzeln angebraten und erst zum Ende gemischt. Klassische Beilage.

Pistou Erinnert nicht umsonst an das Wort „Pesto“ undbezeichnet die, hier mehr nach Anis schmeckende, Basilikumpflanze.

Brandarde Gesalzener (nicht getrockneter) Kabeljau der,gewässert, püriert und gratiniert, mit Kartoffeln und Olivenöl gereicht wird.

Agneau Das Lämmchen. Die Agrarwirtschaft ist ja reinvegetativ sehr beschränkt hier: kein Regen, kein Grün. Deshalb auch keine Küheund ziemlich wenig Käse. Mit einer Ausnahme: die Lämmer können sich hier primaam wildwachsenden Thymian und Rosmarin satt fressen und dementsprechendaromatisch schmecken das Fleisch und der Käse.

Savon de Marseille Nix zum Essen, aber nun mal auch Spezialitätund mitunter aus Olivenöl gewonnen: Seit 2600 Jahren wird sie hierhergestellt : die reichhaltige Marseiller Seife. In altmodischen Läden, abWerk oder im durchgestylten Designshop mit schickem Logo; von neutral, überLavendelduft bis zum herben Männermisch.

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² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

18essen.kaktusfeige19caramel in allen Variationen.Mit Meersalz.Vanille.Oranke.Pfeffer.Nüssen20bunteKekse21essen.schoki22essen.schokimachthappyWohin man auch schaut-immer gibt`s leckeren Kuchen23Typsche Plat de Jour-Tafel24essen.1.gang.FoieGras25essen.2.gang.EnteKnoblauchHonigsauce26essen.3.gang.SchokoHammerpriv.onlineSchön hier...1Allauch3allauch.fürbitte2allauch.steiniger Aberglaube-oder nicht4allauch.mehrfürbitten5oallauch.herzen.fürbitte7Presenting le Provencel8Die Sache mit der Tracht -Irgendjemand muss es ja machen10Blume an der Rebe - Schädlingswarner11Degustation12provence.typischer Käse  der Billy13auchkäse14salami15Pilze16esse.fischladen
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Britta Behnk
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Alle Reisen von Britta Behnk

Marseille kulinarisch

Nach verschlungenen Pfaden durch diverse Studienfächer und Werbeagenturen habe ich im Januar das vorest letzte Ziel erreicht: ich bin Köchin - und sehr glücklich damit. Und weil man diesen Job so fein mit auf Reisen nehmen kann, starte ich gleich durch und verlasse Hamburg gen Marseille, um im Rahmen des 'Leonardo de Vinci-EU-Programms' an einem 3monatigem Praktikum teilzunehmen.
Kommt mit auf eine kulinarische Tour de Provence!