Marseille kulinarisch
Von Hafen zu Hafen
06.10.2007 |
Am ersten Tag, nach dem nur leichtes Laken statt schwerer Daunendecke zurückschlagen, nach einem in der Mikrowelle aufgewärmten Convenience-Pain au chocolat eingetunkt in milchigen Mokka, nach dem verstehen, das der Busfahrplan nicht viel Wert ist (innerhalb einer Stunde fährt der Bus alle 2 bis 10 Minuten, nämlich völlig sinnfrei auf 04, 07, 15, 21, 24, 28, 39, 47. In Wirklichkeit kommt 15 Minuten gar kein Bus, dafür kurz danach 2 gleichzeitig, is` ja nicht schlimm muss man nur wissen. Auch, das der Bus nicht automatisch hält, man sollte schon winken, woher soll der arme Mann auch nur ahnen, weshalb ich an der Bushaltestelle stehe- sehr deutsche Kritikpunkte, je sais), also nach einem stinknormalen ersten Morgen in Marseille steige ich aus dem Bus, im selben Augenblick trifft mich ein scharfer Wind, so das man die Augen schließen muss und man verharrt wie in einer angenehmen Umarmung, plötzlich den Geruch nach Zimt und Safran in der Nase, dunkelgrüne Seide raschelt und Rubinrote, Kamele stampfen und dumpftönend auf der Stelle, man möchte sich den Wüstensand aus dem Gesicht wischen und – und schon öffne ich wieder die Augen, die Bö ist weitergezogen, innerhalb von Sekunde ist der Orient verflogen. Und es ist klar, das es auch, aber eben nicht nur der Anblick des Hafens ist, der einen Zuhause fühlen macht. Sondern es ist der Wind der einen Heim holt, der vom Meer die Welt mit sich bringt, sie ablädt und wieder weiterzieht mit neuer Fracht – wie man es von Klein auf kennt, als Hamburgerin. Angekommen.
Gut, nach diesem zugegeben etwas melodramatischen aber tatsächlichem Start, galt es Marseille für sich zu erobern – und hier ist der Orient gleich wieder ganz nah. Unsere Sprachschule (bin by the way über jede Sprachlektion dankbar, denn es ist schon blöd, wenn ich, wie gestern auf dem Markt, nur die Worte „belle“ und „toujours“ einordnen und den Rest bloß erahnen kann – meinte er „ich sei schön wie immer“, „ immer schön, nur heute nicht“ oder sprach er am Ende gar übers Wetter?) ...also: unsere Sprachschule „Alliance francaise“ liegt am Prado und so erkundete unsere Mädelsgruppe erst mal diese Gegend – das ist ein bisschen, als ob man in Wandsbek ausgesetzt wird und meint, man sei in der Hamburger City. Inzwischen weiß ich es besser, erkunde nach und nach die Viertel samt Centrum und merke: um ernsthaft etwas über diese schöne Stadt schreiben zu können, wird es noch Wochen dauern. Nur soviel: mir persönlich gefällt vor allem, dass ich – im Gegensatz zu Ägypten – ungestört einen Einblick in die arabische Lebensweise bekomme. Denn immer wieder biegt man aus einer normalen Einkaufsstrasse um die Ecke und befindet sich plötzlich mitten im Getümmel eines arabischen Markts. Oder man betritt einen Hauseingang und entdeckt den einen Bazar, der weit durch verschiedene Häuser und Hallen führt und alles bietet von Chucks, Brautkleidern, Lammköpfen, Tonnen von Cous Cous, Teppiche, alles eben. Und ohne als europäische Frau ständig angequatscht zu werden, kann man schauen und probieren und beide Seiten freuen sich am gegenseitigen Interesse.
Arles – ganz niedlich
Vorweg: ich war wirklich nur ein paar Stunden in Arles. Wer sich für die Antike und städtebauliche Architektur begeistern kann und dafür andauernd überhöhten Eintritt zahlen möchte, wird es hier mögen. Wer gerne isst und sich die recht exklusiven Restaurant leisten kann, wird seine Freude haben. Highlight war der wirklich riesengroße, traumhafte Markt – diese Freude allerdings mit Horden von Touristen geteilt. Für Menschen wie mich bleibt es ein hübscher Ausflug: Mit den kleinen Stillleben die man hier an jeder Ecke und hinter jedem Tor findet, kann man leicht ein Jahreskalender zum Thema Provence füllen – Sandsteingebäude von feinem gelb bis zu dunklem oliv unter sonnengebleichten Terracottaschindeln, hübsch bunt durch die Holzläden vor allen Fenstern, gestrichen in blau, dunkelrot, grün oder violett. Darüber eine dicke Schicht Patina. Fertig. Hübsch. Und Tschüß.
Les Calanques
DAS hat mich wirklich beeindruckt: Dieses Naturschutzgebiet am Rande Marseilles gehört zu den schönsten Landschaften Frankreichs: wildromantische Buchten und Fjorde, überragt von riesigen steilen Felswänden. Gleich in der Nähe unserer Herberge findet sich ein Teil dieses Naturschutzgebietes, das sich bis Cassis hinzieht. Es bietet für alle Geschmäcker etwas: von Picnic über Spaziergänge, Wandern, Trekking, Klettern – hier ist alles drin und zwar vor wirklich spektakulärer Kulisse. Wer fit ist, kann ein paar hundert Höhenmeter überwinden und zum Meer herab wandern und schwimmen. Ist aber nicht ganz ungefährlich und vor allem: muss man auch wieder hoch!
La femme
Was genau macht denn eigentlich die französische Frau so typisch? Puder, Mascara, Lippenstift oder mindestens Gloss, top frisierte Haare, eine große schwarze Sonnenbrille, tendenziell immer wie zum Kaffeetrinken im 5 Sterne Hotel angezogen, Kleidung ohne Knitterfalte, dabei immer sehr feminin im Stil und im Zweifelsfalle wird die legere Jogginghose mit sehr hohen Schuhen wieder wettgemacht, immer irgendwie Dame- adrett, kokett. Und das wird schon als Jugendliche geübt, kaum ein schluddriger Teenager mit Schlabberjeans und ausgetretenen Nikes – selbst die 16jährige Punkerin will hübsch sein, alles sitzt perfekt, die Doc Martins glänzen, die Haare auch, und das Make-up ist top… Und was ist es nur mit der Physiognomie: das ovale Gesicht, die Nase schmal und mit langem Rücken, feine goldene Kreolen an den Ohren, gezupfte Brauen, darunter die braunen oder grüne Augen mit dichten dunklen Wimpern, die grazile langbeinige Gestalt (wobei das augenscheinlich Anorexieproblem in Frankreich nicht unterschätzt werden sollte). Was auch immer es genau ist und abgesehen von tausend Ausnahmen: es gibt sie, die vielen so unglaublich französischen Französinnen, ich halte inzwischen manisch nach ihnen Ausschau, um hinter ihr Geheimnis zu kommen. Und ihnen sei auch die Mehrzahl der Fotos in diesem Bericht gewidmet! (Nach was für Frauen würde ich in Deutschland suchen, wenn’s mir um das Typische ginge? Mir ist`s leider so, als ob ich dafür nur verschlossene Gesichter fotografieren wollte.)
À bientot, mes chères! Das wars für diese Woche…
Es gibt 2 Kommentare.
Deine Meinung?
- Name
- Britta Behnk
- Alter
- 35
- Ort
- Hamburg
- Webseite
- ---
Marseille kulinarisch
Nach verschlungenen Pfaden durch diverse Studienfächer und Werbeagenturen habe ich im Januar das vorest letzte Ziel erreicht: ich bin Köchin - und sehr glücklich damit. Und weil man diesen Job so fein mit auf Reisen nehmen kann, starte ich gleich durch und verlasse Hamburg gen Marseille, um im Rahmen des 'Leonardo de Vinci-EU-Programms' an einem 3monatigem Praktikum teilzunehmen.
Kommt mit auf eine kulinarische Tour de Provence!






























Salut ma chère
C'était un très bon article et une bonne chance pour moi de pratiquer mon francais. Et je dis que tu n'es pas juste la cuisine, mais aussi le mot et les yeux.
Gros Bisous Chrischi(qui a écrit!!!)&Nat&Lara
sagte Chrischi am 09.10.2007 um 22:47 Uhr #
Meine liebe Britta!!!!
weiterschreiben...weiterschreiben
viel spass noch....
michi
sagte michael Riedig am 12.10.2007 um 14:32 Uhr #